Im Wohnmobil durch die USA, Teil 1

In Las Vegas haben wir am 28.09. unser Wohnmobil übernommen und sind nun schon seit fast 3 Wochen damit unterwegs. Ganz schön groß das Ding, deutlich größer als das, mit dem wir durch Europa gereist sind. Um uns erstmal daran zu gewöhnen haben wir die erste Nacht in den Red Rocks, nur 30 min. von Las Vegas entfernt verbracht.

Dann ging es richtig los, erstmal zum Joshua Tree Nationalpark. Schon auf dem Weg durch die Mojave Wüste gab es etliche Joshua Trees zu sehen, aber der Park war ein echtes Highlight. Schon allein der Campingplatz, zwischen riesigen Felsen in der Wüste, war ein Traum.

Der Joshua Tree Park, ein Traum!
Unser Wohnmobil. Inkl. aufgeklebtem Wachhund.

Ein super Start in die Reise durch die Nationalparks. Nach 2 Nächten ging es weiter, von den Joshua Trees zu den Mammutbäumen in den Sequoia National Park.

Der nächste Stopp war aber erstmal der Sequoia National Forrest, in dem wir auch wieder einen tollen Campground hatten. Dieses Mal etwas einsamer und Mitte im Wald. Die Campingplätze in den Nationalparks und in den State Parks sind in der Regel sehr schön und gar nicht teuer (zwischen 10 und 30 Dollar/Nacht), gerade in den Nationalparks aber natürlich häufig schon lange im Voraus ausgebucht. Zum Glück reisen wir aber nicht in der Hauptsaison, und so können wir eigentlich immer noch ein Plätzchen zu ergattern. Nachteil an der Reisezeit: nachts wird es richtig kalt. Also RICHTIG kalt! Und das Wohnmobil ist nicht besonders gut isoliert. Also sitzen wir abends meistens lange am Feuer (auf jedem Campingplatz gibt es in der Regel eine Feuerstelle) und zum schlafen ziehen wir die Skiunterwäsche an..

Sehr beeindruckend, diese riesigen Bäume, die teilweise schon 2000-3000 Jahre alt sind. Im Sequoia National Park steht der größte von allen (gemessen an der Holzmasse, nicht an Höhe oder Umfang): der General Sherman. Den mussten wir natürlich auch besuchen.

Das größte Lebewesen der Welt: ein Baum.

Tiere haben wir auch gesehen. Zum Beispiel unseren ersten Bären 😍 Es war nicht der letzte.. und ein lustiges Tier, das in einem Sequoia wohnte, von dem wir bis heute nicht wirklihc wissen, was das war. Ein blondes Murmeltier? Marder? Riesiges Meerschweinchen? Wer es weiß, bitte melden.

Durch den Sequoia NP und den Kings Canyon ging es erstmal kurz Richtung San Francisco für einen spontanen und kurzen Besuch bei Tims Bruder, danach weiter zum Lake Tahoe. Auch wieder ein toller Campingplatz. Und der nächste Bär, diesmal auf unserem Campingplatz. Er konnte glücklicherweise unter Einsatz des Lebens und durch Werfen von Pinienzapfen vertrieben und die Vorräte so gerettet werden. Fotos gibts davon leider nicht, ging alles zu schnell.

Noch ein Highlight am Lake Tahoe: Oktoberfest! Einige Gäste haben sogar Tracht getragen, es gab einen Wettbewerb für das beste Dirndl und die beste Lederhose, Maßkrugstemmen (Steinholding) und traditionelle Oktoberfestmusik. Da fühlt man sich wie zu Hause.

Über Mono Lake und June Lake ging es weiter in den Yosemite NP. Auch dort hatten wir Riesen Glück und haben für 3 Nächte einen Campingplatz mitten im Park ergattert. Natürlich auch wieder ein toller Platz 😉 Und ein traumhafter Park, der zu recht so beliebt ist.

Blick auf dem Half Dome vom Glacier Point

Auch hier konnten wir Tiere beobachten. Wieder mal einen Bären (dieses Mal nur aus dem sicheren Bus), und einen extrem selten in der freien Wildbahn zu beobachtenden California Tree Hugger. Süße Tierchen sind das, ganz friedlich.

Nach dem umwerfend schönen Yosemite NP mussten wir erstmal ein bisschen fahren, und zwar 2 Tage lang bis zum Arches NP in Utha. Der Weg dorthin war toll. Städte oder Ortschaften gibt es kaum, die Straßen sind endlos lang und die Landschaft ist wunderschön.

Der Arches NP war am ersten Tag so voll, dass wir umgedreht sind. Blöderweise war ein Feiertag (Columbus Day) und darum alles voll, wussten wir natürlich nicht. Alternativ haben wir uns den Dead Horse Point State Park und den Canyonlands NP angeschaut, beide auch toll. Und (natürlich) einen super Campground gefunden. Arches haben wir dann einen Tag später angesehen.

Camping in der Wildnis der Canyonlands
Der Delicate Arch, das Wahrzeichen von Utha

Ein paar Parks haben wir noch vor uns, und zum Schluss geht es nochmal an der Küste von San Diego bis nach San Francisco. Der Roadtrip geht weiter!

Von Chicago nach Las Vegas: Die Route 66

Der letzte Beitrag ist schon eine Weile her, seit dem ist wieder einiges passiert. Mittlerweile sind wir mit dem Wohnmobil im Südwesten der USA unterwegs und hangeln uns durch die Nationalparks. In der Wildnis gibt es meistens keine Netzabdeckung und somit auch kein Internet und keine Blog-Beiträge..

Aber eins nach dem anderen, erstmal waren wir noch auf der Route 66 unterwegs. 1 Woche von Chicago bis nach Las Vegas, das war ein ganz schön straffes Programm. In der Zeit sind wir über 2000 Meilen gefahren, haben 8 Bundesstaaten durchquert und ganz ganz viel Spirit dieser alte Straße zu spüren bekommen 😉

Die alte Route 66, früher die Haupt-Verbindung zwischen Chicago und der Westküste, kann man sich heute als eine Landstraße vorstellen, die teilweise in einem relativ schlechten Zustand ist uns die man noch analog auf einer physischen Karte suchen muss. Google Maps, sonst unser Haupt-Navigator, hilft manchmal, aber nicht immer. Letztendlich haben wir uns hauptsächlich anhand eines Buches mit sehr detaillierter Beschreibung des Weges, und einer Karte orientiert. Durch den Bau der Interstate 40, die heute die Aufgabe der alten 66 übernimmt und zu großen Teilen parallel zu der alten Straße verläuft, wurden viele der kleinen Orte entlang der Route mit ihren Tankstellen und Dinern abgehängt und sind manchmal sogar zu Ghost Towns geworden. Das ist es, was man sieht, wenn man die alte Route 66 fährt: liebevoll restaurierte alte Tankstellen, kleine Diner, viele Museen, die über die Geschichte der alten Straße informieren sowie kleine und größere Orte, die alle stolz sind auf ihre Vergangenheit an dieser Straße.

Auf der alten Straße kommt man natürlich nicht so schnell voran, weshalb wir uns nicht dogmatisch daran gehalten haben, jeden Zentimeter auf der original Route 66 zu fahren. Wenn die Zeit eng oder die Strecke langweilig wurde sind wir auch mal auf die Interstate ausgewichen.

Bester Buger der Welt: Sids Diner in El Reno, Oklahoma
Die Hälfte ist geschafft!

Landschaftlich richtig schön wurde die Strecke im letzten Drittel, ab New Mexico. Da machte es dann auch wieder richtig Spaß langsam zu fahren. Auch die Städte wie Santa Fe und Albuquerque waren interessant, auch wenn wir dort nicht viel Zeit hatten.

In Santa Fe haben wir sogar einen Promi gesehen: Shirley MacLaine!!! Zwar nur noch von hinten und nur, weil die Leute am Tisch neben uns, uns darauf aufmerksam gemacht haben, aber egal. Gesehen ist gesehen!

Der Barringer-Krater in Arizona, ein riesiger Meteoriten Krater
Wie in einem echten Western-Movie. Yeehaa!

Nach viel Route 66 Nostalgie und Wild-West Feeling sind wir nach 1 Woche wieder in der Zivilisation gelandet: mitten in Las Vegas, Sin City.

Spielen, shoppen und Cocktails am Pool. Eine schöne Zwischenstation, bevor wir dort nach 3 Tagen unser Wohnmobil übernommen haben. Und damit sind wir jetzt unterwegs, in der Sonne Kaliforniens und im wilden Westen!

USA: der Osten

Nach einer wirklich anstrengenden Anreise über 30 Stunden einmal über den ganzen Pazifik und nochmal über die ganzen USA, sind wir am 04.09. in Boston angekommen. Mit einem ordentlichen Jetlag haben wir das beste gegeben, die Stadt zu erkunden. Den Freedom Trail, den Hafen und Downtown Boston haben wir geschafft.

Mit der vorerst letzten Zugfahrt ging es dann weiter nach New York und Power-Sightseeing für 4 Tage. Das Guggenheim Museum, eine Bootsfahrt um Manhattan, das Rockefeller Center, der Times Square, das neue World Trade Center, 9/11 Memorial und Museum, Wall Street, Brooklyn Bridge, Brooklyn, Fahrrad fahren im Central Park… alles was man in der kurzen Zeit so machen könnte.

Eine kleine Auswahl der ca 1000 Fotos, die wir allein in New York gemacht haben. In NY haben wir am 11.09. einen Mietwagen übernommen, und los ging der Roadtrip. Erstmal bis nach Philadelphia mit kurzem Besuch der Independence Hall und der Freedom Bell. Dann ging es nach Washington D.C. für 2 Tage und Nächte, die eigentlich nicht gereicht haben. Die Museen entlang der National Mall sind wahnsinnig gut gemacht, und alle kostenlos zu besichtigen. Letztendlich haben wir nur das Museum für Natural History und das Air & Space Museum. Auch das Treffen mit Herrn Trump mussten wir aus Zeitmangel absagen, aber das Weiße Haus haben wir uns noch kurz von außen angeguckt.

Nach der Kultur folgt der Sport. Denn was wäre eine Reise durch die USA, ohne eine typisch amerikanische Sportveranstaltung? In unserem Fall war das Baseball bei den Cleveland Indians (musste irgendwie in unseren Zeitplan passen und die NY Yankees waren restlos ausverkauft).

Letzte Stadt, bevor es auf die Road 66 geht: Chicago! Auch diese Stadt hat einiges zu bieten und punktet vor allem durch die Lage am Lake Michigan mit entspannten Stadtstränden und toller Architektur..

Der berühmte Al-Bundy-Brunnen.
Cloud Gate, lustig zum Fotos machen.

So, das war der Osten der USA im Schnelldurchlauf.. morgen gehts los auf die Historic Route 66 Richtung Westen. Wild Wild West, wir kommen!

Hier gehts los, ab nach Cowboy Country.

Ni hao China

Endlich wieder im Zug! Nach 11 wunderbaren Tagen in der Mongolei ist es Zeit weiter zu reisen. Die letzte Etappe der transsibirischen (bzw. jetzt transmongolischen) Eisenbahn bringt uns von Ulaanbaatar nach Peking. Die Fahrt dauert ca. 30 Stunden inkl. Grenzübertritt und ist die letzte lange Zugfahrt für uns.

In Peking angekommen gibt es erst einmal etwas leckeres zu essen. Nach dem ganzen Hammelfleisch der letzten Zeit ist die chinesische Küche eine willkommene Abwechslung, auch wenn hier nicht alles für unsere mitteleuropäischen Geschmacksnerven geeignet ist.

Schweinebeine, Hühnerfüsse und Entenköpfe haben wir dann doch nicht gegessen. Aber die Pekingente war super!

Peking war überraschend ruhig für eine so riesige Stadt. Es gibt viele Autos mit Elektroantrieb und auch die Roller fahren fast ausschließlich elektrisch. Von Smog keine Spur, wir hatten herrliches Wetter und blauen Himmel.

Am ersten Tag haben wir uns ein bisschen treiben lassen und die Stadt größtenteils zu Fuß erkundet. Am nächsten Tag ging es in die verbotene Stadt und zum Tianmen Square.

An Tag 3 gab es einen Ausflug zur chinesischen Mauer. Sehr beeindruckende! Die hätte Herr Trump sicher auch gern.

Nächster Stopp der China-Rundreise: Xi’an. Mal wieder in aller Hergottsfrühe ging es zum Bahnhof und dann mit dem Schnellzug nach Xi’an. Mehr als 1000km in knapp 6 Stunden.

Dort angekommen haben wir uns ein Fahrrad gemietet und sind die Stadtmauer abgefahren, am nächsten Tag ging es zur Terracotta Armee. Toll war auch das muslimische Viertel, überall gab es leckere Sachen zu essen..

Chinese Streetfood

Die 3. und letzte Station in China war Shanghai. Leider spielte das Wetter hier nicht mit, es regnete jeden Tag und das teilweise wie aus Eimern. Aber die Skyline der Megacity ist auch bei Regen beeindruckend!

Essen gab es auch genug..

Am letzten Tag hatten wir nochmal Glück und keinen Regen mehr. Die Gelegenheit nutzten wir, um auf die Aussichtsplattform des Shanghai Tower zu fahren, die höchste Aussichtsplattform der Welt und das zweithöchste Gebäude der Welt. Und der schnellste Aufzug! Ungefähr 2 min. konnten wir auch die Aussicht genießen, dann kamen die Wolken..

Bye bye Shanghai!

Das war es dann auch schon mit China. Kurz aber schön! Und lecker! Das Essen werden wir vermissen, aber wir freuen uns darauf, bald endlich wieder mit allen Leuten reden zu können, alles lesen zu können und die Speisekarten ohne Google Translator zu verstehen.

Weiter geht es in die USA!!! Einmal um die halbe Welt.

Aber vorher nochmal schnell Transrapid fahren:

Mongolia

Dschingis Khan, die Wüste Gobi, Nomaden und unendliche Weiten.. Gerade einmal 3 Millionen Menschen leben in diesem Land, das mehr als 4 mal so groß ist wie Deutschland, die Hälfte davon in der Hauptstadt Ulan Bator. Und die ist nicht besonders schön, Sehenswürdigkeiten gibt es wenige. Trotzdem ist die Mongolei der Höhepunkt auf dem Weg von Moskau nach Peking und unser längster Zwischenstopp mit insgesamt 11 Tagen, von denen wir 9 Tage durch Wüsten und Steppen reisen. Mit einem russischen Minibus, einem Fahrer und einem Tourguide, der zum Glück englisch spricht.

Anfangs gab es noch richtige Straßen. Das ändert sich dann aber schnell.

Wir wurden um dieses Foto gebeten! Nicht umgekehrt 🙂
Die erste Nacht in einer Jurte!

Wir schlafen jede Nacht in Jurten-Camps, mit denen die Nomadenfamilien ein bisschen Geld verdienen. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon, so ganz ohne Strom, fließendes Wasser und richtige Toilette mitten im Nirgendwo. Dafür hat man immer endlos viele Tiere um sich: Pferde, Ziegen, Schafe und später auch Kamele. Die Lebensgrundlage der Nomaden.

Zum melken werden die Ziegen an den Köpfen zusammengebunden.

Die nächsten Tage verbringen wir in der Wüste Gobi in wunderschönen und abwechslungsreichen Landschaften. Straßen gibt es keine aber der Bus ist geländegängig und der Fahrer findet immer den Weg. Wir verbringen 5-6 Stunden am Tag im Auto, dann erreichen wir meistens das Highlight des Tages. Aber auch während der Fahrt aus dem Fenster zu gucken macht Spaß, weil sich die Landschaft ständig verändert. Viel mehr kann man bei der Fahrt auch nicht machen, auf den off-Road Wegen wird man ordentlich durchgeschüttelt.

Tsangaan Suvarga
Khongor Sand Dune
Nicht jeder überlebt in der Wüste..
Bayanzag Flaming Cliffs
Eine Jurte mit Ofen, denn nachts kann es ganz schön kalt werden.
Orkhon Valley
Erdenezuu Monastery / Kharkhorin

Am neunten Tag ging es wieder zurück nach Ulaanbaatar. Es war eine tolle Reise durch ein Land, das man nur aus Dokumentationen auf Arte kennt. Die Menschen hier führen ein unglaublich einfaches Leben, erscheinen aber zufrieden damit. Für uns kaum vorstellbar so zu leben. Aber selbst in den Städten wohnen die Menschen teilweise in den Jurten statt in richtigen Häusern, das spricht für ein hohes Maß an Traditionsbewusstsein.

Lustig: Mongolen benutzen (außer in Restaurants) keine Messer zum Essen. Es gibt nur Gabeln und Löffel, auch zum Brote schmieren.

Nach 9 Tagen, in denen wir nur 2 mal duschen konnten, sind wir doch ganz froh wieder zurück in der Zivilisation zu sein. Aber es war großartig und man sollte die Mongolei besuchen, bevor auch hier der Massentourismus Einzug hält.

Für uns geht es schon wieder weiter, wir sitzen im Zug nach China. Next stop: Beijing!

Von Moskau nach Ulan Bator

Seit dem letzten Beitrag sind wir weit gekommen. Am Montag, 05.08. ging es endlich in den Zug! Mit der transsibirischen Eisenbahn geht es nun mit einigen Zwischenstopps von Moskau bis nach Peking. Die erste Zugfahrt dauerte allerdings erstmal nur 4 Stunden (zur Eingewöhnung), das Ziel war Nizhny Novgorod.

Man bekommt schnell den Eindruck, dass der Rest von Russland ganz anders sein wird, als die Metropole Moskau mit ihren schicken Restaurants, Bars und Hotels und den hippen Leuten. Nizhny Novgorod ist jedenfalls so ziemlich das Gegenteil und wir nutzen den Tag um uns den Kreml, die Altstadt und die Wolga-Promenade anzuschauen.

Am Abend ging es schon weiter mit dem nächsten Zug, im Schlafabteil über Nacht nach Kasan. Der Zug ist überraschend modern und bequem und es gibt sogar noch einen kleinen Snack am Abend.

Gegen 5 Uhr morgens erreichen wir Kasan, die Hauptstadt der Region Tartastan. Den Tag nutzen wir auch hier zum Sightseeing. Eine nette Stadt mit Kreml und Drachen, aber leider sehr schlechtes Wetter.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch begann für uns die längste Strecke im Zug: 3 Tage am Stück in der Bahn! Klingt ganz schön lange, ist es auch. Viel Zeit und wenig zu tun.. Ab und zu hat man mal eine Internetverbindung, an manchen Bahnhöfen hält der Zug für längere Zeit, und man kann sich die Beine vertreten. Ansonsten kann man lesen, essen, schlafen und aus dem Fenster gucken. Aber die Zeit verging überraschend schnell, am Samstag (auch wieder mitten in der Nacht) sind wir in Irkutsk angekommen.

Ganz gemütlich in so einem Zug!

Von Irkutsk ging es mit einer abenteuerlichen Taxifahrt über 300 km direkt weiter auf die Insel Olchon, der größten Insel im Baikalsee. Khuzhir, die größte Siedlung auf der Insel, besteht hauptsächlich aus Holzhäusern, Kiefern und staubigen Straßen. Es gibt unzählige Hostels und an jeder Ecke werden Touren über die Insel angeboten. Wir bleiben 2 Nächte und entscheiden uns für eine Tour in den Norden der Insel. Und die ist traumhaft schön!

Nach 2 Tagen ging es mit dem Bus zurück nach Irkutsk und von dort in einer ca. 24 stündigen Zugfahrt weiter in die Mongolei, nach Ulan Bator.

Dort sind wir heute angekommen und starten morgen zu einer 9 tägigen Rundreise durchs Land. Das wird aufregend!

Moskau

In den 2 Wochen zu Hause in Köln war die wichtigste Aufgabe, das Visum für China zu bekommen. Aufgrund des knallharten Antragsformulars, für das man eigentlich ein eigenes Studium hätte absolvieren müssen, war es spannend bis zum vorletzten Tag. Dann war sie da, die lang ersehnte Einreisegenehmigung für China.

Also ging es wie geplant am 01.08. los nach Moskau, wo wir die ersten 3 Tage verbracht haben. Erstmal wurde das ganze Touri-Sightseeing-Programm abgespult: Roter Platz, Basilius-Kathedrale, Kreml, Kaufhaus GUM, Lenin-Mausoleum. Zum Glück hatten wir mit Stefan einen super Guide, der uns noch ein paar nette Restaurants und Bars gezeigt hat. Außerdem durften wir bei ihm wohnen, das war perfekt! Vielen Dank nochmal dafür, es hat riesig Spaß gemacht. Und der georgische Wein war der Hammer!

Am Samstag Abend gab es dann ein bisschen Kultur: Schwanensee im Bolshoi Theater. Ein tolles Erlebnis, ein wunderschönes Theater und ein beeindruckendes Ballett-Ensemble! Ganz klare Empfehlung, unbedingt machen!

Den Sonntag haben wir bei einer entspannten Bootsfahrt auf der Moskva und im Gorki-Park verbracht.

Am Montag ging es um 7 Uhr morgens dann endlich los zur 1. Etappe mit dem Zug. Die transsibirische Reise beginnt!

Back Home in Kölle (erstmal)

Auf dem letzten Abschnitt der 1. Etappe haben wir uns noch ein paar Städte in Polen angeschaut: Krakau, Lodz und Posen standen auf dem Programm. Außerdem haben wir noch die Schwarze Madonna im Kloster Jasna Gora gesehen und die Gedenkstätte Auschwitz besucht.

In Deutschland haben wir die erste Nacht in Wandlitz am See verbracht. Herzlichen Dank nochmal an Andreas und Elke für den schönen Abend, es war wunderschön bei euch!

Nach ein paar weiteren Tagen im Jerichower Land sind wir jetzt nach insgesamt 53 Tagen, fast 8500km und 11 (oder 12?) Ländern wieder wohlbehalten in Köln angekommen. Das Auto hat gut durchgehalten und die Tour auch ohne größere Probleme überstanden. Jetzt haben wir ein paar Tage, um zu reflektieren und die Eindrücke zu verarbeiten, bevor es am 1.8. weitergeht nach Moskau, dem Ausgangspunkt der 2. Etappe. Ein paar Sachen sind natürlich vorher auch noch zu erledigen, zum Beispiel das Visum für China. Schon allein den unglaublich umfangreichen Antrag auszufüllen (inkl. aller bisherigen Arbeitgeber, Studium und Schule, Familie, Jahreseinkommen, bereiste Länder in den letzten 5 Jahren und vielen vielen weiteren Fragen) und alle erforderlichen Unterlagen bereitzulegen dauerte mehrere Tage! Hoffentlich wird es wenigstens rechtzeitig fertig..

Die Ukraine und die schlechtesten Straßen der Welt

Schon kurz nach der Einreise in die Ukraine war klar, das wird eine Herausforderung für Mensch und Maschine. Die Straßen in Rumänien waren nicht gut, die Straßen in Moldawien waren richtig schlecht, aber in der Ukraine: eine absolute Katastrophe! Teilweise nur im Schritttempo zu befahren, übersäht mit Löchern, Bodenwellen, Spurrillen. Und Campingplätze gibt es auch keine, darum haben wir uns in Odessa gezwungenermaßen zum ersten Mal ein Hotel genommen. Für umgerechnet 22 Euro/Nacht, direkt am Strand.

So macht Reisen Spaß..

Leider hatten wir in Odessa mal wieder Regen und Gewitter, und auch die Verständigung mit den Ukrainern ist schwierig ohne jegliche Russisch-Kenntnisse. Gott sei dank gibts den Google Translator, eine große Hilfe zum überleben (und Speisekarten übersetzen).

Nach Odessa ging es über Uman, Kamyanets-Podilski und Ivano-Frankivsk ca. 1000km durch die Ukraine bis nach Lviv. Ganz langsam natürlich, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30km/h.

In Uman haben wir die Nacht einfach auf einem Parkplatz in der Stadt verbracht. Das Highlight der Stadt ist ein großer, sehr schön angelegter Park, sonst gibt es nicht viel zu sehen.

Auch in Kamyanets-Podilski haben wir die Nacht einfach mitten in der Stadt auf einem Parkplatz verbracht. Schon praktisch so ein Wohnmobil. Von dort aus ging es in die Altstadt und zur Festung, wohl eine der schönsten in der Ukraine.

Nach 2 Nächten auf Parkplätzen sehnten wir uns mal wieder nach einer richtigen Dusche. Darum haben wir uns in Ivano-Frankivsk wieder ein Hotel gegönnt, die kosten in der Ukraine ungefähr so viel wie ein Campingplatz in Italien oder Kroatien. Ein nettes Städtchen, hier konnte man sich auch zum ersten mal wieder auf englisch verständigen.

Letzter Stop in der Ukraine: Lviv! Eine wirklich wunderschöne Stadt, sehr westlich und ganz anders als der Rest der Ukraine, den wir gesehen haben. Voll mit Touristen, die meisten aus der Ukraine, Weißrussland, Polen.

Neuer Lieblings-Drink: Kirschlikör aus Lviv. Leeeecker!!!!

Zum Glück hat das Auto durchgehalten und alles mitgemacht. Das Autofahren in der Ukraine war wirklich ein Abenteuer und kann nicht uneingeschränkt weiterempfohlen werden! Jetzt geht es nur noch durch Polen wieder zurück nach Köln, da kann ja nicht mehr viel schief gehen.

Über Moldawien (und Transnistrien) nach Odessa

Moldawien, das anscheinend unbeliebteste Reiseland Europas mit gerade einmal 17.500 eingereisten Besuchern im Jahr 2017, davon 1183 aus Deutschland. Aber wir wollten ja auch weg vom Massentourismus.. Aber was ist bitte Transnistrien? Ein Land, das sich von Moldawien abgespalten hat mit eigener Grenze, eigener Regierung und eigener Währung, das aber von keinem UN-Mitglied anerkannt wird und auch bei Google Maps nicht als solches zu erkennen ist.

Was macht man in solchen Ländern, über die man eigentlich nichts weiß? Am besten das, was der lonely planet vorschlägt 😉

Überraschenderweise entpuppte sich Moldawien als ein absolutes Weinland, mit den größten Weinkellern der Welt! Den allergrößten Weinkeller besitzt das Weingut Mileştii Mici, mit einem Labyrinth aus 200km in Sandstein geschlagene Stollen, in denen auf 55 km Wein in riesigen Fässern und in Flaschen (insgesamt 1,5 mio) gelagert wird. Klingt super, also erstmal da hin. Für die Besichtigung braucht man ein Auto, mit dem man durch die Stollen fährt. Unser WoMo ist allerdings zu groß dafür. Aber wir haben Glück und ergattern noch einen Platz bei einer englischsprachigen Tour und ein Taxi wird auch noch organisiert.

Das war schonmal ein guter Start in dieses unbekannte Land. Weiter ging es zur Hauptstadt Chişinău, die nur ca. 30min Autofahrt entfernt liegt. Die meisten Sehenswürdigkeiten konnte man in kurzer Zeit zu Fuß erreichen. Da die Stadt im 2. Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde gab es davon auch nicht sooo viele.

Nach einem kurzen Aufenthalt ging es dann schon weiter zum nächsten Highlight: Orheiul Vechi. Ein historischer Komplex mit archäologischen Fundorten, einer alten Felsenkirche und bizarrer Landschaft.

Aber erst danach kam das währe Highlight des Tages: unser Campingplatz! Man muss dazu sagen, dass Campingplätze in Moldawien quasi nicht existieren, die erste Nacht haben wir an einer Tankstelle geparkt. Dafür wurden wir jetzt entschädigt, mit einem traumhaften Blick über Orheiul Vechi und einem wunderschönen Platz, ganz für uns allein. Bis auf Vasile, den Besitzer, der auf uns aufgepasst und uns mit selbst gepflücktem Obst versorgt hat.

Und schon geht es weiter, durch Transnistrien nach Odessa. An der Grenze werden wir von Soldaten und einem russischen Panzer empfangen, aber die Einreise ist unkompliziert. Dann fahren wir erstmal eine gefühlte Ewigkeit durch Landschaften mit riesigen Getreidefeldern, bis wir Tiraspol, die Hauptstadt erreichen. Hier ist der Kommunismus noch allgegenwärtig. Und es ist viel zu heiss, darum das Sightseeing kurz aus.

Ein bisschen wie ein Freilichtmuseum..

Damit wir unser Tagesziel noch erreichen geht es schnell weiter, über schlechte Straßen, raus aus Transnistrien, rein in die Ukraine. Aber da wird es leider erstmal nicht besser.

Gegen Abend erreichen wir Odessa, das Ziel der 1. Etappe! Insgesamt sind wir 5543km bis hier gefahren, ab jetzt geht es wieder Richtung Heimat..